Blog Die drei französischen Verbgruppen: -er, -ir, -re konjugieren

Die drei französischen Verbgruppen: -er, -ir, -re konjugieren

J Janine Kreiser, Gründerin ConjuExpert 6. Juli 2026 12 min DE
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Stell dir vor, du sortierst deine Französisch-Verben wie ein Bibliothekar: drei Regale, drei Schilder — -er, -ir, -re. Klingt nach Ordnung, oder? Tatsächlich steckt hinter diesen drei Endungen ein erstaunlich faires Versprechen der französischen Grammatik: Wenn du die Muster von einem Verb pro Regal kannst, kannst du Hunderte. Das erste Regal allein, die -er-Verben, füllt rund 90 Prozent des gesamten Wortschatzes. Du lernst also nicht tausend Einzelfälle — du lernst drei Baupläne und ein paar Sonderlocken. Genau diese drei Baupläne nehmen wir uns hier vor, langsam und mit jeder Form ausgeschrieben. Am Ende konjugierst du parler, finir und vendre im Präsens, ohne nachzudenken, und du verstehst auch, warum das dritte Regal ein bisschen Chaos-Ablage ist. Wir gehen Gruppe für Gruppe durch, immer mit kompletter Tabelle, immer mit den korrekten Formen — und mit dem einen Trick, der dir das Endungs-Wirrwarr abnimmt. Versprochen: Das ist weniger Stoff, als es aussieht.

Das Wichtigste in Kürze: Französisch hat drei Verbgruppen. Gruppe 1 (-er, z. B. parler) ist die größte und komplett regelmäßig. Gruppe 2 (-ir mit -iss- im Plural, z. B. finirnous finissons) ist eine kleinere, aber verlässliche Gruppe. Gruppe 3 ist die Resterampe: alle unregelmäßigen Verben plus die -re-Verben wie vendre — dazu Sonderfälle wie aller und partir. Lern je ein Muster-Verb pro Gruppe, und du hast den Großteil im Griff.

Warum überhaupt drei Gruppen? Das System dahinter

Französische Verben tragen ihre Gruppenzugehörigkeit direkt im Namen — genauer: in den letzten zwei Buchstaben des Infinitivs. Endet das Verb auf -er, gehört es fast immer in die erste Gruppe. Endet es auf -ir, ist es ein Kandidat für die zweite. Und alles, was auf -re endet oder sich sonst nicht benehmen will, landet in der dritten. Der eigentliche Clou ist aber nicht die Sortierung, sondern was danach passiert: Du nimmst den Infinitiv, schneidest die Endung ab, und übrig bleibt der Stamm (französisch radical). An diesen Stamm hängst du dann je nach Person eine feste Endung. Parler minus -er ergibt den Stamm parl-, und an parl- kommt für je die Endung -e: je parle. Dieses Spiel — Stamm finden, Endung anhängen — ist das Herz der gesamten französischen Konjugation. Sobald du es einmal verinnerlicht hast, wird jede neue Zeitform nur eine neue Tabelle von Endungen. Deshalb lohnt es sich, hier richtig sauber zu arbeiten und nicht einfach Formen auswendig zu klopfen. Wer den Mechanismus versteht, muss nämlich nicht jedes Verb einzeln lernen — er erkennt das Regal und weiß sofort, welche Endungen drankommen. Und genau das macht Französisch berechenbarer, als sein Ruf vermuten lässt.

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Gruppe 1: die -er-Verben (parler) — dein Arbeitspferd

Die erste Gruppe ist die mit Abstand größte und freundlichste. Fast alle -er-Verben folgen demselben Muster ohne Ausnahme, und weil sie den Löwenanteil des Wortschatzes ausmachen, lohnt sich diese eine Tabelle mehr als jede andere. Nimm parler (sprechen): Stamm ist parl-, und daran hängst du die sechs Endungen -e, -es, -e, -ons, -ez, -ent. Schau dir an, wie regelmäßig das aussieht — und merk dir vor allem eins: Die Endungen -e, -es und -ent spricht man nicht aus. Je parle, tu parles und ils parlent klingen identisch, obwohl sie verschieden geschrieben werden. Das ist kein Fehler in deinem Ohr, das ist Absicht der Sprache. Genau dieser Stolperstein bringt Lernende durcheinander, deshalb steht er hier am Anfang. Lass uns das Muster an drei Verben durchspielen, damit es sitzt: parler, aimer (lieben/mögen) und travailler (arbeiten) laufen alle exakt gleich.

Personparleraimertravailler
je / j'parleaimetravaille
tuparlesaimestravailles
il/elle/onparleaimetravaille
nousparlonsaimonstravaillons
vousparlezaimeztravaillez
ils/ellesparlentaimenttravaillent

Siehst du das Muster? Drei verschiedene Verben, eine einzige Endungs-Logik. Wenn du parler kannst, kannst du auch regarder (schauen), manger (essen), écouter (hören) und Hunderte mehr. Genau das meint man, wenn man von der ersten Gruppe als „regelmäßig“ spricht: Du lernst den Bauplan einmal und wendest ihn endlos an. Ein winziger Hinweis am Rande — bei Verben wie manger schiebt sich vor dem -ons ein zusätzliches e ein (nous mangeons), damit das g weich bleibt; aber das ist Feintuning, kein neues System. Das Grundgerüst bleibt felsenfest.

✏️ Merke (Eselsbrücke): Die drei "stummen" Singular-Endungen plus -ent sind die Flüster-Endungen: geschrieben, aber nicht gehört. Sprich je parle, tu parles, il parle, ils parlent laut hintereinander — sie klingen alle gleich. Nur nous und vous drücken hörbar auf die Tube: parl-ONS, parl-EZ.
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Gruppe 2: die -ir-Verben (finir) — und das geheimnisvolle -iss-

Die zweite Gruppe ist kleiner, aber sehr verlässlich — und sie hat ein Erkennungsmerkmal, das du dir unbedingt merken solltest: das eingeschobene -iss- im Plural. Nimm finir (beenden, fertig werden). Im Singular läuft alles brav: je finis, tu finis, il finit. Doch sobald du in den Plural wechselst, taucht plötzlich ein -iss- auf: nous finissons, vous finissez, ils finissent. Dieses -iss- ist kein Tippfehler und keine Laune — es ist das definierende Merkmal der echten zweiten Gruppe. Genau daran erkennst du, ob ein -ir-Verb wirklich hierher gehört oder ob es sich (siehe nächster Abschnitt) heimlich in die dritte Gruppe geschlichen hat. Die Endungen lauten im Singular -is, -is, -it und im Plural -issons, -issez, -issent. Lass es uns an drei klassischen Vertretern durchspielen: finir (beenden), choisir (wählen) und grandir (wachsen).

Personfinirchoisirgrandir
jefinischoisisgrandis
tufinischoisisgrandis
il/elle/onfinitchoisitgrandit
nousfinissonschoisissonsgrandissons
vousfinissezchoisissezgrandissez
ils/ellesfinissentchoisissentgrandissent

Achte auf den Bruch zwischen Singular und Plural: je finis — kurz und knapp — aber nous finissons mit dem hörbaren -iss- in der Mitte. Wenn du nous finons sagst, klingt das für französische Ohren sofort falsch. Das -iss- muss rein. Viele Lernende vergessen genau das, weil der Singular so harmlos aussieht. Mein Tipp: Verknüpf das -iss- fest mit dem Plural-Bild „mehrere Leute zischen mit“ — finiSSons, finiSSez, finiSSent. Sobald mehr als einer beteiligt ist, zischt es.

⚠️ Achtung — der häufigste Fehler: Die Form für je ist finis, nicht finit. Das -t gehört zur dritten Person (il finit). Und im Plural niemals das -iss- weglassen: Es heißt nous finissons, nicht nous finons. Diese zwei Stolpersteine kosten die meisten Punkte.
💪 -ir-Verben mit -iss- drillen — nein, üben: Damit das -iss- automatisch sitzt, brauchst du Wiederholung mit Feedback, nicht stures Abschreiben. Die Konjugation von finir kannst du im Karteikarten- und Tipp-Modus festigen. Kostenlos im Quiz üben →

Gruppe 3: die Resterampe — vendre und alles Unregelmäßige

Jetzt wird's ehrlich: Die dritte Gruppe ist keine ordentliche Gruppe, sondern die Resterampe der französischen Verben. Hier landet alles, was nicht in die erste oder zweite Gruppe passt — die -re-Verben, ein paar -ir-Verben ohne -iss-, und die ganz wilden Brocken wie être, avoir, aller oder faire. Genau deshalb nennt man sie auch die „dritte Gruppe“: Sie ist die Sammelschublade. Das klingt erst mal abschreckend, ist aber halb so schlimm, weil viele dieser Verben trotzdem Untermustern folgen. Das wichtigste regelmäßige Muster der dritten Gruppe sind die -re-Verben — und dafür ist vendre (verkaufen) das Paradebeispiel. Stamm ist vend-, und die Endungen lauten -s, -s, -∅, -ons, -ez, -ent. Das Besondere: In der dritten Person Singular (il/elle/on) kommt keine Endung dazu — il vend, der Stamm steht nackt da. Spielen wir es an drei -re-Verben durch: vendre (verkaufen), attendre (warten) und répondre (antworten).

Personvendreattendrerépondre
jevendsattendsréponds
tuvendsattendsréponds
il/elle/onvendattendrépond
nousvendonsattendonsrépondons
vousvendezattendezrépondez
ils/ellesvendentattendentrépondent

Das -re-Muster ist also durchaus regelmäßig — du musst dir nur merken, dass il vend ohne sichtbare Endung auskommt. Schwieriger sind die echten Wildtiere der Gruppe, und die musst du tatsächlich einzeln lernen: être (sein) macht je suis, tu es, il est, nous sommes, vous êtes, ils sont; avoir (haben) macht j'ai, tu as, il a, nous avons, vous avez, ils ont. Da hilft kein Stamm-und-Endung-Trick, da hilft nur üben. Zwei Sonderfälle solltest du außerdem kennen, weil sie ständig vorkommen. aller (gehen) sieht aus wie ein braves -er-Verb der ersten Gruppe — ist es aber nicht: Es heißt je vais, tu vas, il va, nous allons, vous allez, ils vont. Eine echte Falle, denn die Endung verspricht Gruppe 1, das Verb hält sich nicht dran. Und partir (abfahren, weggehen) ist ein -ir-Verb ohne -iss-: je pars, tu pars, il part, nous partons, vous partez, ils partent — also keine zweite Gruppe, sondern dritte. Wer nous partissons sagt, ist in die Falle getappt. Merke dir diese beiden als Warnschilder: Die Infinitiv-Endung allein verrät die Gruppe nicht immer.

⚠️ Achtung — die zwei klassischen Fallen: aller ist kein normales -er-Verb (es heißt je vais, nicht je alle). Und partir ist kein -iss--Verb der zweiten Gruppe (es heißt nous partons, nicht nous partissons). Diese beiden tarnen sich — lass dich nicht von der Endung täuschen.

Wenn du tiefer in diese unberechenbaren Brocken einsteigen willst, lohnt sich ein eigener Blick auf die unregelmäßigen Verben im Französischen — dort nehmen wir uns être, avoir, faire und Co. in Ruhe vor. Und sobald du die Gegenwart sicher hast, ist der nächste logische Schritt die Vergangenheit: Wie du zwischen Passé composé und Imparfait wählst, baut direkt auf diesen Präsens-Stämmen auf.

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Die Endungsmuster auf einen Blick

Damit du nicht zwischen drei Tabellen hin- und herspringen musst, hier die nackten Endungen aller drei Gruppen nebeneinander. Drucke sie dir aus oder mach ein Foto — das ist dein Spickzettel für die Gegenwart. Vergleiche die Spalten ruhig: Die erste und die dritte Gruppe teilen sich die Plural-Endungen -ons, -ez, -ent; der große Unterschied steckt im Singular und beim -iss- der zweiten Gruppe.

PersonGruppe 1 (-er)Gruppe 2 (-ir)Gruppe 3 (-re)
je-e-is-s
tu-es-is-s
il/elle/on-e-it— (keine)
nous-ons-issons-ons
vous-ez-issez-ez
ils/elles-ent-issent-ent

Fällt dir auf, wie viel Überschneidung es gibt? Genau deshalb ist Französisch berechenbarer als befürchtet. Du lernst eigentlich nur drei Singular-Varianten und musst dir merken, dass Gruppe 2 im Plural zischt. Der Rest reimt sich. Wenn du dieses Raster im Kopf hast, brauchst du bei einem neuen Verb nur zu fragen: Welches Regal? Dann weißt du sofort, welche Endungen kommen.

Häufige Fehler — und wie du sie umgehst

Drei Fehler tauchen bei deutschen Französisch-Lernenden immer wieder auf, und alle drei sind leicht zu vermeiden, wenn man sie einmal benannt hat. Erstens: das -iss- der zweiten Gruppe vergessen. Nous finissons, nicht nous finons — das -iss- ist Pflicht, sobald es in den Plural geht. Zweitens: die Endungen der ersten und dritten Person Singular verwechseln. In Gruppe 1 enden je und il beide auf -e (je parle, il parle), in Gruppe 2 heißt es je finis aber il finit, und in Gruppe 3 steht il vend ganz ohne Endung. Drittens: sich von der Infinitiv-Endung täuschen lassen. Aller ist kein normales -er-Verb, partir kein -iss--Verb — die Endung ist ein Hinweis, kein Beweis. Wer diese drei Stolpersteine kennt, macht schon die Hälfte weniger Fehler. Der beste Weg, sie loszuwerden, ist nicht stures Auswendiglernen, sondern aktives Abrufen mit sofortigem Feedback: Du tippst eine Form, siehst sofort, ob sie stimmt, und korrigierst dich auf der Stelle. Genau dafür ist Üben mit kurzen, wiederholten Einheiten gemacht — ein falscher Versuch, der direkt richtiggestellt wird, bleibt besser hängen als zehnmal Abschreiben. Bau dir also lieber ein Mini-Ritual: jeden Tag eine Handvoll Formen aktiv abrufen, statt einmal pro Woche eine ganze Liste durchzulesen.

Wenn du das System hinter den Endungen einmal grundsätzlich verstehen willst — über das Französische hinaus —, hilft dir der große Überblick dazu, Verben konjugieren zu lernen. Und der französische Hub zum Verben-Konjugieren sammelt alle weiteren Themen rund um Zeiten und Sonderfälle an einem Ort.

💪 Dein Takeaway: Drei Regale, drei Baupläne. Lern parler, finir und vendre als Muster-Verben, merk dir das -iss- und die zwei Tarn-Verben aller und partir — und du konjugierst den Großteil des französischen Präsens, ohne nachzudenken. Welches der drei Regale fällt dir am leichtesten, und welches schiebst du noch vor dir her?
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+++ FAQ — Häufige Fragen

Wie viele Verbgruppen hat das Französische?

Drei: die -er-Verben (Gruppe 1, regelmäßig und am häufigsten), die -ir-Verben mit -iss- im Plural (Gruppe 2) und die dritte Gruppe als Sammelbecken für alle -re-Verben und unregelmäßigen Verben.

Warum heißt es nous finissons und nicht nous finons?

Weil finir zur zweiten Gruppe gehört, und die schiebt im Plural ein -iss- zwischen Stamm und Endung. Das -iss- ist das Erkennungsmerkmal echter Gruppe-2-Verben — ohne es wäre es keine zweite Gruppe.

Ist aller ein -er-Verb der ersten Gruppe?

Nein. Aller sieht durch die -er-Endung so aus, ist aber stark unregelmäßig und gehört in die dritte Gruppe: je vais, tu vas, il va, nous allons, vous allez, ils vont. Genauso ist partir trotz -ir-Endung kein -iss--Verb (nous partons, nicht partissons).

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Janine Kreiser

Gründerin von ConjuExpert. Macht Sprachgrammatik sichtbar – mit Mustern statt Chaos.