Blog Partizip II bilden: die Regel, starke Verben und ihre Ausnahmen

Partizip II bilden: die Regel, starke Verben und ihre Ausnahmen

J Janine Kreiser, Gründerin ConjuExpert 29. Aug. 2026 11 min DE

Das Wichtigste in Kürze

Schwache Verben bilden das Partizip II mit ge- + Stamm + t (gespielt), starke Verben mit ge- + oft verändertem Stamm + en (gegangen). Kein ge- bekommen Verben auf -ieren und Verben mit unbetontem Präfix wie be-, ver-, ent- oder er- (besucht, verstanden). Und bei Verben, die schon mit ge- beginnen (gewinnen, gefallen), bleibt es bei einem einzigen ge-.

„Ich habe das Auto geparkt und dann bin ich nach Hause gegeht.“ – „Gegeht? Du meinst gegangen.“ Genau solche kurzen Wortwechsel passieren beim Deutschlernen ständig, denn ausgerechnet beim Partizip II schleichen sich die meisten Fehler ein. Das Verrückte daran: Selten stolpert die Grammatik an sich, sondern die Frage, welches von mehreren Mustern gerade gilt. Genau diese Muster – und vor allem ihre Ausnahmen – sortierst du in diesem Artikel einmal vollständig.

Was das Partizip II überhaupt ist und wofür du es brauchst

Das Partizip II ist die Verbform, die du für das Perfekt brauchst – also für Sätze wie „ich habe gelernt“ oder „ich bin gegangen“. Ohne sie kommst du im gesprochenen Deutsch praktisch nicht durch einen einzigen Tag, denn im Alltag erzählt man Vergangenes fast ausschließlich im Perfekt, nicht im Präteritum. Daneben brauchst du dieselbe Form für das Passiv („das Fenster wird geputzt“) und sogar als Adjektiv vor einem Nomen („das geputzte Fenster“). Drei völlig verschiedene Satzbaustellen, aber immer dieselbe eine Form im Hintergrund – wer sie einmal sicher bilden kann, deckt also automatisch drei Baustellen gleichzeitig ab. Genau deshalb lohnt es sich, hier einmal wirklich in die Tiefe zu gehen, statt die Form nur nebenbei mitzulernen. Die gute Nachricht vorweg: Es gibt nur eine Handvoll Muster, kein Chaos – du musst nur wissen, wonach du beim jeweiligen Verb schaust.

Die Grundregel: schwache Verben mit ge- und -t

Die meisten deutschen Verben sind sogenannte schwache (regelmäßige) Verben, und für sie gilt eine Formel, die keine Überraschungen kennt: ge- + Verbstamm + t. Du nimmst den Stamm des Verbs – also den Infinitiv ohne die Endung -en – klebst vorne ein ge- davor und hinten ein -t dahinter, fertig. Bei spielen wird der Stamm spiel- also zu gespielt, bei machen wird mach- zu gemacht, bei kaufen wird kauf- zu gekauft. Eine kleine, aber wichtige Randnotiz betrifft Verben, deren Stamm auf -d, -t oder bestimmte Konsonanten wie -gn oder -tm endet: Dort wird aus dem -t ein -et, damit das Wort überhaupt aussprechbar bleibt. Arbeiten wird so zu gearbeitet und nicht zum unaussprechlichen gearbeitt, warten wird zu gewartet, reden wird zu geredet.

„Ich habe drei Stunden gearbeitet.“ (arbeiten) · „Wir haben das ganze Spiel gespielt.“ · „Sie hat lange auf den Bus gewartet.“

Starke Verben: ge- bleibt, aber der Stamm verändert sich

Bei den starken (unregelmäßigen) Verben hältst du zwar am ge- fest, aber der Stamm selbst verändert oft seinen Vokal, und am Ende steht statt -t ein -en. Deshalb hilft hier keine Formel, die du einfach anwendest – du musst die Form je Verb kennen, so wie du im Englischen go – went – gone auswendig lernst statt herzuleiten. Gehen wird zu gegangen, nicht zu gegeht, wie im Eröffnungsdialog dieses Artikels. Sprechen wird zu gesprochen, lesen zu gelesen, nehmen zu genommen. Beachte, dass sich der Vokal manchmal zweimal verändert – vom Infinitiv zum Präteritum und dann noch einmal zum Partizip: sprechensprachgesprochen zeigt drei verschiedene Vokale in drei Formen. Genau dieses Springen macht starke Verben zum eigentlichen Schmerzpunkt beim Partizip II, denn eine einzelne Regel gibt es hier nicht, nur wiederkehrende Muster, die sich mit genug Beispielen einprägen.

„Er hat mit mir gesprochen.“ (sprechen) · „Ich bin um sieben gegangen.“ (gehen) · „Wir haben das Buch gelesen.“

Und weil starke Verben sich nicht herleiten lassen, hilft an dieser Stelle vor allem eines: sie in echten Sätzen wieder und wieder abrufen, statt eine Liste stumm durchzulesen. Aktives Abrufen – also sich die Form selbst aus dem Kopf holen, bevor man nachschaut – gehört zu den nachweislich wirksamsten Lerntechniken überhaupt, deutlich vor bloßem Wiederlesen (Dunlosky et al., 2013). Genau darauf ist der Quizmodus von ConjuExpert ausgelegt: Du bekommst ein Verb und musst das Partizip II selbst produzieren, bevor die App dir die Lösung zeigt. Gerade bei starken Verben lohnt sich das doppelt, weil dich das kurze Zögern vor der Antwort genau auf die Vokalwechsel aufmerksam macht, die noch nicht sitzen. Wer diese Wackelkandidaten drei- oder viermal aktiv abgerufen hat, statt sie nur zu lesen, hat sie danach spürbar sicherer im Kopf.

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Gemischte Verben: der Vokal wechselt, die Endung bleibt -t

Zwischen den beiden großen Lagern gibt es eine kleine, aber alltagswichtige dritte Gruppe: die gemischten Verben. Sie verhalten sich wie ein Kompromiss – der Stamm verändert seinen Vokal wie bei starken Verben, aber am Ende steht trotzdem ein -t wie bei schwachen Verben. Bringen wird zu gebracht, denken wird zu gedacht, wissen wird zu gewusst, kennen wird zu gekannt. Diese Gruppe ist überschaubar klein, dafür sind es fast durchweg Verben, die du täglich benutzt, weshalb sich die wenigen Formen schnell festigen, sobald du einmal bewusst auf sie geachtet hast. Verwechsle die gemischten Verben nicht mit den starken: Der Vokalwechsel signalisiert zwar dieselbe Unregelmäßigkeit, aber die Endung bleibt verlässlich -t statt -en, und genau daran erkennst du die Gruppe am schnellsten wieder.

„Ich habe dir eine Nachricht gebracht.“ (bringen) · „Das habe ich mir schon gedacht.“ · „Ich habe die Antwort nicht gewusst.“

Die Ausnahmen: wenn gar kein ge- dazukommt

Hier liegt der Teil, der die meiste Verwirrung stiftet – und zugleich der Teil, der sich mit einem einzigen Prinzip fast vollständig auflösen lässt. Zwei Verbgruppen bekommen beim Partizip II überhaupt kein ge-, und beide folgen demselben unsichtbaren Grund: Ihre erste Silbe ist unbetont. Erstens alle Verben, die auf -ieren enden – meist aus dem Französischen oder Lateinischen entlehnte Verben wie studieren, telefonieren, probieren oder fotografieren. Sie bilden das Partizip II einfach mit Stamm + t, ganz ohne ge-: studiert, telefoniert, probiert, fotografiert. Zweitens Verben mit einem unbetonten, untrennbaren Präfix – die wichtigsten sind be-, emp-, ent-, er-, ge-, miss-, ver- und zer-. Besuchen wird zu besucht, verstehen wird zu verstanden, erklären wird zu erklärt, entscheiden wird zu entschieden. Kein Lernender muss diese Liste stumpf auswendig lernen, denn ein einfacher Hörtest verrät sie: Sprich das Verb laut, und wenn die Betonung nicht auf der ersten Silbe liegt (verSTEhen, beSUchen), fällt das ge- weg. Genau dieser Betonungs-Trick ist der, der dir am Ende die lange Liste erspart, die andere Lernmaterialien dir sonst zum Auswendiglernen geben.

„Ich habe das Museum besucht.“ (besuchen) · „Sie hat den Satz verstanden.“ · „Er hat drei Jahre in Köln studiert.“ (studieren)

Eine dritte, kleinere Ausnahme fällt fast niemandem auf, bis er selbst darüber stolpert: Verben, deren Infinitiv bereits mit dem unbetonten ge- beginnt, bekommen kein zweites ge- dazu. Gewinnen wird zu gewonnen und nicht zu gegewonnen, gefallen bleibt im Partizip II sogar identisch mit dem Infinitiv, geschehen bleibt ebenfalls geschehen, und genießen wird zu genossen. Der Grund ist derselbe wie oben: Diese Verben tragen ihre unbetonte erste Silbe schon in sich, ein zweites ge- wäre doppelt gemoppelt. Wer diese drei Ausnahmegruppen einmal klar auseinanderhält – -ieren-Verben, untrennbare Präfixe und Verben mit eingebautem ge- –, hat den größten Teil der Fehlerquelle beim Partizip II bereits ausgeräumt. Wie diese drei Formen im großen Ganzen der deutschen Zeitformen zusammenspielen, ordnet der Leitfaden Verben konjugieren lernen noch einmal sprachübergreifend ein.

Der Betonungs-Trick als Eselsbrücke: Stell dir das ge- als kleinen Türsteher vor, der nur Verben ohne Ausweis einlässt. Verben mit unbetonter erster Silbe – egal ob durch ein Präfix wie ver- oder durch die Endung -ieren – haben ihren Ausweis längst in der Tasche und brauchen keinen Einlass mehr. Nur wer betont mit der ersten Silbe startet, muss am ge- vorbei.

Trennbare Verben: das ge- rutscht in die Mitte

Bei trennbaren Verben – solchen mit einem Präfix wie auf-, an- oder ein-, das sich im Hauptsatz vom Verb löst – gilt eine eigene, aber logische Variante derselben Regel. Das ge- verschwindet hier nicht, sondern es rutscht genau zwischen Präfix und Verbstamm: aufstehen wird zu aufgestanden, anrufen wird zu angerufen, einkaufen wird zu eingekauft. Der Grund liegt wieder bei der Betonung: Bei trennbaren Verben liegt sie auf dem Präfix selbst (ÁUFstehen), und genau dieses betonte Präfix „zieht“ das ge- direkt hinter sich. Wie genau diese Regel im Detail funktioniert und welche Präfixe überhaupt trennbar sind, liest du ausführlich im Schwesterartikel zu den trennbaren Verben im Deutschen – hier reicht dir das Prinzip, um trennbare Verben von den beiden ge-losen Ausnahmegruppen sauber zu unterscheiden. Und weil das Partizip II fast ausschließlich zusammen mit haben oder sein auftritt, lohnt sich an dieser Stelle auch der Blick in den Artikel Perfekt mit haben oder sein, der die zweite Hälfte des Perfekts klärt: welches Hilfsverb du zur richtigen Form dazustellst.

Der Sonderfall: wenn ein Modalverb dazwischenfunkt

Es gibt eine letzte Stolperfalle, die selbst fortgeschrittene Lernende noch überrascht: Modalverben wie müssen, können oder wollen verhalten sich im Perfekt anders, sobald ein zweites Verb im Infinitiv dazukommt. Allein stehend bilden Modalverben ein ganz normales Partizip II – müssen wird zu gemusst, wollen wird zu gewollt, wie in „Ich habe das gemusst.“ Sobald aber ein weiteres Verb im Infinitiv dabei ist, verschwindet dieses Partizip II komplett und wird durch den sogenannten Ersatzinfinitiv ersetzt: Aus „Ich habe gehen gemusst“ wird „Ich habe gehen müssen“, wobei das Modalverb jetzt selbst wie ein Infinitiv aussieht. Diese doppelte Infinitiv-Konstruktion wandert außerdem komplett ans Satzende, sogar im Nebensatz, wo sie das gewohnte „Verb ganz zuletzt“-Muster durchbricht: „..., weil ich gestern früh habe aufstehen müssen“ statt des erwarteten „..., weil ich gestern früh aufstehen gemusst habe“. Das ist ein Detail, das in vielen Grammatikübersichten fehlt, obwohl es im gesprochenen Deutsch ständig vorkommt.

Häufiger Fehler und Signalwörter

Drei Fehlermuster tauchen beim Partizip II immer wieder auf, und alle drei lassen sich mit dem hier Gelernten sofort erkennen. Der erste ist das doppelte ge- bei bereits unbetonten Verben, also gebesucht statt besucht oder gegewonnen statt gewonnen. Der zweite ist die falsche Endung bei starken Verben, also ein angehängtes -t statt -en, wie im gegeht aus der Eröffnung dieses Artikels statt gegangen. Der dritte ist das vergessene ge- bei ganz normalen schwachen Verben, etwa macht statt gemacht in einem Perfektsatz. Als Signalwörter, die dir zeigen, dass ein Partizip II gleich fällig ist, dienen typischerweise schon, bereits, gerade eben, gestern und letzte Woche in Kombination mit haben oder sein – sie kündigen an, dass ein abgeschlossenes Ereignis folgt, für das du genau die Formen brauchst, die du gerade gelernt hast.

Kurz zu ConjuExpert

Genau für dieses Nebeneinander aus klarer Regel, Vokalwechsel und Ausnahmen ist ConjuExpert gebaut. Du wählst ein Verb, übst gezielt das Partizip II in eigenen Sätzen ab und bekommst sofort Rückmeldung, statt eine Liste nur anzuschauen – vier Modi stehen dir dafür zur Verfügung: Karteikarten, Multiple-Choice, Tippen und Spracherkennung. Nachschlagen und die Grammatikerklärungen sind bei ConjuExpert dauerhaft kostenlos, das Quiz ist Premium – du testest es erst gratis, danach kostet es 2,99 €/Monat. So verschwendest du keine Zeit mit stumpfem Auswendiglernen einer Liste, sondern trainierst genau die Verben, bei denen du selbst noch zögerst. Wenn du dich fürs Deutsche insgesamt fit machen willst, findest du die anderen Bausteine der Konjugation gebündelt im Hub Deutsch Verben konjugieren.

Das Wichtigste zum Mitnehmen

Drei Fragen reichen, um bei jedem deutschen Verb das richtige Partizip II zu finden: Ist die erste Silbe betont oder nicht – wenn nicht, fällt das ge- weg. Ist das Verb schwach, stark oder gemischt – das entscheidet zwischen -t und -en und darüber, ob sich der Stamm verändert. Und steht ein Modalverb mit einem zweiten Infinitiv zusammen – dann tritt der Ersatzinfinitiv an die Stelle des Partizips. Welche dieser drei Fragen war für dich bisher am schwersten zu beantworten?

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Häufige Fragen

Wie bilde ich das Partizip II bei regelmäßigen (schwachen) Verben?

Mit der Formel ge- + Stamm + t, zum Beispiel spielen → gespielt oder kaufen → gekauft. Endet der Stamm auf -d, -t oder bestimmte Konsonanten, wird daraus -et statt -t, etwa arbeiten → gearbeitet.

Warum bekommen manche Verben gar kein ge-?

Weil ihre erste Silbe unbetont ist. Das betrifft Verben auf -ieren (studiert, telefoniert) und Verben mit unbetontem Präfix wie be-, ver-, ent- oder er- (besucht, verstanden). Ein Betonungstest beim lauten Sprechen verrät dir das sofort.

Was ist der Ersatzinfinitiv bei Modalverben?

Steht ein Modalverb im Perfekt zusammen mit einem zweiten Verb im Infinitiv, ersetzt der Infinitiv des Modalverbs dessen eigenes Partizip II. Aus „Ich habe gehen gemusst“ wird „Ich habe gehen müssen“ — und diese Konstruktion wandert komplett ans Satzende, auch im Nebensatz.

Quellen

  1. Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J. & Willingham, D. T. (2013): Improving Students' Learning With Effective Learning Techniques. Psychological Science in the Public Interest, 14(1), 4–58. doi.org/10.1177/1529100612453266
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Janine Kreiser

Gründerin von ConjuExpert. Macht Sprachgrammatik sichtbar – mit Mustern statt Chaos.