Le conditionnel: höflich bitten und Irreales ausdrücken
Das Wichtigste in Kürze
- Bildung: futur-Stamm nehmen → imparfait-Endungen anhängen (-ais, -ais, -ait, -ions, -iez, -aient). Wer das futur simple kann, hat das conditionnel fast geschenkt.
- Gebrauch: höfliche Bitte (je voudrais, pourriez-vous), Wunsch und Irreales im si-Satz (si + imparfait → conditionnel).
- Die unregelmäßigen Stämme sind dieselben wie im futur (ser-, aur-, ir-, fer-, voudr-, pourr-) – einmal gelernt, doppelt genutzt.
Bestell im Café einmal je veux un café – und beobachte den Blick der Bedienung. Grammatisch stimmt der Satz, höflich klingt er nicht; er wirkt ungefähr so charmant wie „ich will einen Kaffee“ auf Deutsch. Ein einziger Buchstabendreh macht daraus eine Bitte: je voudrais un café. Genau dieser Dreh ist das conditionnel – und wenn du das futur simple schon kennst, hast du die halbe Arbeit bereits hinter dir.
Erst die Bildung: ein bekannter Stamm, bekannte Endungen
Das conditionnel présent ist eine der freundlichsten Formen des Französischen, weil du nichts wirklich Neues lernst – du kombinierst zwei Dinge, die du schon hast. Du nimmst den futur-Stamm (bei regelmäßigen Verben ist das schlicht der ganze Infinitiv, beim -re-Verb ohne das End-e) und hängst die Endungen des imparfait an: -ais, -ais, -ait, -ions, -iez, -aient. Mehr ist es nicht. Bei parler lautet der futur-Stamm parler-, und mit den imparfait-Endungen entsteht je parlerais, tu parlerais, il parlerait, nous parlerions, vous parleriez, ils parleraient. Das doppelte r in der Mitte ist übrigens kein Tippfehler, sondern das Erkennungszeichen: Eins gehört zum Stamm (parler-), das hört man im Französischen kaum, aber es markiert sauber, dass hier futur oder conditionnel im Spiel ist. Spielen wir es an drei Verben aus den drei Gruppen durch, damit das Muster sitzt. Bei finir (beenden) ergibt sich je finirais, tu finirais, il finirait, nous finirions, vous finiriez, ils finiraient. Bei vendre (verkaufen) fällt das -e des Infinitivs weg, und du bekommst je vendrais, tu vendrais, il vendrait, nous vendrions, vous vendriez, ils vendraient. Und bei aimer (lieben) lautet die Reihe j'aimerais, tu aimerais, il aimerait, nous aimerions, vous aimeriez, ils aimeraient – das j'aimerais („ich würde gern“) wirst du bald in jedem zweiten höflichen Satz brauchen.
| parler (-er) | finir (-ir) | vendre (-re) | |
| je | parlerais | finirais | vendrais |
| tu | parlerais | finirais | vendrais |
| il/elle | parlerait | finirait | vendrait |
| nous | parlerions | finirions | vendrions |
| vous | parleriez | finiriez | vendriez |
| ils/elles | parleraient | finiraient | vendraient |
Fällt dir etwas auf? Die Endungen sind exakt die des imparfait, und der Stamm ist exakt der des futur simple. Das conditionnel ist also kein dritter Brocken, den du isoliert pauken musst, sondern ein cleverer Mix aus zwei Zeiten, die du ohnehin lernst. Wer den futur-Stamm sicher hat und die imparfait-Endungen im Schlaf abrufen kann, baut das conditionnel praktisch nebenbei. Genau deshalb lohnt es sich, diese beiden Bausteine wirklich fest zu verankern, bevor du dich ans conditionnel setzt – dann ist es kein Lernen mehr, sondern nur noch Zusammensetzen.
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Höflich bitten: der wichtigste Alltagsgebrauch
Der Grund, warum du das conditionnel früh brauchst, ist Höflichkeit. Das Französische ist eine Sprache, in der die direkte Forderung schnell schroff wirkt – und das conditionnel ist das eingebaute Weichspülprogramm. Statt etwas zu wollen (je veux), sagst du, dass du es gern hättest (je voudrais); statt zu fragen, ob jemand etwas kann (pouvez-vous), fragst du sanfter, ob er könnte (pourriez-vous). Dieselbe Mechanik kennst du aus dem Deutschen: „Ich will“ gegen „Ich hätte gern“, „Können Sie“ gegen „Könnten Sie“. Das conditionnel macht im Französischen genau diesen Schritt von der Ansage zur Bitte. Die zwei Verben, die du dafür unbedingt drauf haben musst, sind vouloir (wollen) und pouvoir (können) – sie tragen den Großteil aller höflichen Sätze. Von vouloir brauchst du vor allem je voudrais (ich hätte gern / ich würde gern) und nous voudrions (wir hätten gern). Von pouvoir sind es pourriez-vous (könnten Sie) und pourrais-tu (könntest du). Spielen wir ein paar echte Situationen durch.
Willst du um Hilfe bitten, ist pourriez-vous dein Schlüsselsatz: Pourriez-vous m'aider, s'il vous plaît ? (Könnten Sie mir bitte helfen?) klingt deutlich freundlicher als das nüchterne Pouvez-vous m'aider ?. Auch eine Bitte unter Freunden wird mit dem conditionnel runder: Tu pourrais m'appeler ce soir ? (Könntest du mich heute Abend anrufen?). Und wenn du höflich einen Vorschlag machst, hilft aimer im conditionnel: J'aimerais réserver une table pour deux. (Ich würde gern einen Tisch für zwei reservieren.) Diese Handvoll Wendungen – je voudrais, pourriez-vous, tu pourrais, j'aimerais – deckt einen Großteil deiner höflichen Alltagskommunikation ab. Lern sie als feste Bausteine, dann musst du im Moment des Sprechens nicht erst die Form herleiten.
Wünsche und Vorstellungen: das höfliche „würde“
Neben der Bitte hat das conditionnel einen zweiten großen Job: Es drückt Wünsche und Vorstellungen aus – Dinge, die du gern hättest oder tätest, ohne dass sie (noch) Realität sind. Hier liegt das conditionnel ziemlich genau auf dem deutschen „würde“ und „hätte gern“. Wenn du träumst, planst oder eine Idee vorsichtig in den Raum stellst, ist es die richtige Form. J'aimerais voyager en Italie heißt „Ich würde gern nach Italien reisen“ – ein Wunsch, kein Fakt. Ce serait génial bedeutet „Das wäre toll“ (von être, dazu gleich mehr). Und On pourrait aller au cinéma ? ist das vorsichtige „Wir könnten ins Kino gehen?“ – ein Vorschlag, der dem anderen Raum lässt, Nein zu sagen. Genau diese Weichheit ist der Charme des conditionnel: Es nimmt Druck aus dem Satz. Probier es an einem kleinen Gedankenspiel durch.
Siehst du, wie die ganze Passage in der Schwebe bleibt? Nichts davon ist beschlossen, alles ist Vorstellung – und genau das transportiert das conditionnel, ohne dass du ein einziges Mal „vielleicht“ oder „eventuell“ sagen musst. Die Form selbst trägt die Bedeutung. Das ist der Punkt, an dem viele Lernende das conditionnel lieben lernen: Es ist nicht nur höflich, es ist auch das Werkzeug fürs Träumen und Planen. Wer auf Französisch über das spricht, was er gern hätte oder täte, kommt um diese Form nicht herum – und sobald sie sitzt, klingt deine Sprache spürbar reicher.
Irreales ausdrücken: der si-Satz
Der dritte große Gebrauch ist der, bei dem das conditionnel seine eigentliche Bühne bekommt: der Bedingungssatz mit si (wenn). Hier geht es um Irreales – um das, was wäre, wenn eine Bedingung erfüllt wäre, die es gerade nicht ist. Im Deutschen sagst du „Wenn ich Zeit hätte, würde ich reisen“ – die Zeit hast du nicht, also bleibt es Vorstellung. Das Französische baut diesen Satz nach einer festen Regel, und die musst du dir genau einprägen, weil sie der häufigste Stolperstein ist: Im si-Teil steht das imparfait, im Hauptteil das conditionnel. Nie umgekehrt, und nie zweimal conditionnel. Die Formel lautet schlicht: si + imparfait → conditionnel. Schau sie dir an einem klaren Beispiel an: Si j'avais le temps, je voyagerais. – „Wenn ich Zeit hätte (avais, imparfait), würde ich reisen (voyagerais, conditionnel).“ Der si-Satz nennt die Bedingung im imparfait, der Hauptsatz die Folge im conditionnel. Drehen wir die Reihenfolge um, bleibt die Logik gleich: Je voyagerais si j'avais le temps. Beide Varianten sind korrekt; das Komma fällt nur weg, wenn der si-Teil hinten steht.
Der Fehler, den fast alle einmal machen, ist, im si-Satz das conditionnel zu benutzen, weil es im Deutschen ja auch ein bisschen nach „würde“ klingt. Das ist im Französischen schlicht falsch und klingt für Muttersprachler sofort schief. Nach si steht in diesem Satztyp nie ein conditionnel – dort gehört das imparfait hin. Präg dir das als feste Kopplung ein: si zieht das imparfait an, das conditionnel folgt im anderen Satzteil. Wenn du dir nur diese eine Regel merkst, vermeidest du den mit Abstand häufigsten conditionnel-Fehler überhaupt.
Diese Modus-Logik kennst du übrigens aus einer benachbarten Form: Auch der subjonctif markiert, dass etwas nicht als nüchterne Tatsache gemeint ist, sondern durch eine Brille aus Wunsch oder Möglichkeit. Conditionnel und subjonctif sind die zwei Werkzeuge des Französischen für alles, was über die schlichte Tatsache hinausgeht – es lohnt sich, sie als Paar zu denken.
Die unregelmäßigen Stämme: einmal lernen, doppelt nutzen
Eine Handvoll sehr häufiger Verben bildet den futur-Stamm nicht aus dem Infinitiv, sondern hat einen eigenen, unregelmäßigen Stamm. Und hier kommt der große Spar-Effekt: Es sind exakt dieselben Stämme wie im futur simple. Wer sie für die Zukunft schon gelernt hat, kann sie fürs conditionnel direkt wiederverwenden – nur die Endung wechselt von der futur-Endung zur imparfait-Endung. Du lernst diese Stämme also einmal und nutzt sie für zwei Zeitformen. Die vier wichtigsten, die du als Erstes drauf haben solltest, sind être, avoir, aller und faire. Von être kommt der Stamm ser-: je serais (ich wäre), tu serais, il serait, nous serions, vous seriez, ils seraient. Von avoir der Stamm aur-: j'aurais (ich hätte), tu aurais, il aurait und so weiter. Von aller der Stamm ir-: j'irais (ich würde gehen). Und von faire der Stamm fer-: je ferais (ich würde machen). Dazu kommen die zwei Höflichkeits-Stars von oben: vouloir mit dem Stamm voudr- (je voudrais) und pouvoir mit pourr- (je pourrais, pourriez-vous). Hier die wichtigsten Stämme kompakt:
| Verb | Stamm | conditionnel (je) | Bedeutung |
| être | ser- | je serais | ich wäre |
| avoir | aur- | j'aurais | ich hätte |
| aller | ir- | j'irais | ich würde gehen |
| faire | fer- | je ferais | ich würde machen |
| vouloir | voudr- | je voudrais | ich hätte gern |
| pouvoir | pourr- | je pourrais | ich könnte |
| venir | viendr- | je viendrais | ich würde kommen |
| devoir | devr- | je devrais | ich sollte |
Alle diese Stämme bekommen dieselben sechs Endungen wie die regelmäßigen Verben – -ais, -ais, -ait, -ions, -iez, -aient. Bei être heißt das vollständig je serais, tu serais, il serait, nous serions, vous seriez, ils seraient, bei avoir j'aurais, tu aurais, il aurait, nous aurions, vous auriez, ils auraient. Du siehst: Sobald der Stamm steht, läuft der Rest mechanisch. Besonders nützlich im Alltag ist je devrais von devoir – es heißt „ich sollte“ und ist die höfliche Art, einen Rat zu geben oder eine Empfehlung auszusprechen: Tu devrais te reposer. (Du solltest dich ausruhen.) Diese Stämme sind die einzige Stelle, an der das conditionnel echtes Auswendiglernen verlangt – und selbst das zahlt doppelt, weil das futur simple denselben Vorrat nutzt.
Wenn du die unregelmäßigen Stämme sicher haben willst, hilft kein Anstarren der Tabelle, sondern das wiederholte Produzieren – aktives Abrufen schlägt bloßes Wiederlesen der Tabelle (Dunlosky et al., 2013). Eine kompakte Übersicht über die wichtigsten unregelmäßigen Verben des Französischen findest du im Hub zur französischen Konjugation, und das Fundament – wie Konjugation überhaupt funktioniert und warum aktives Abrufen schlägt – im allgemeinen Leitfaden zum Verben-Konjugieren.
Kurz noch: das conditionnel passé
Für den Anfang reicht das conditionnel présent vollkommen – aber damit du das Bild komplett hast, ein kurzer Blick auf seinen großen Bruder, das conditionnel passé. Es drückt aus, was gewesen wäre – etwas, das in der Vergangenheit unter einer (nicht erfüllten) Bedingung passiert wäre. Auf Deutsch ist das „ich hätte gemacht“ oder „ich wäre gegangen“. Gebildet wird es zusammengesetzt, ganz wie das passé composé, nur steht das Hilfsverb (avoir oder être) im conditionnel statt im Présent: conditionnel von avoir/être + participe passé. So wird aus parler das j'aurais parlé (ich hätte gesprochen) und aus partir das je serais parti(e) (ich wäre gegangen). Der Klassiker ist das Bedauern über etwas Verpasstes: J'aurais aimé venir, mais je n'ai pas eu le temps. (Ich wäre gern gekommen, aber ich hatte keine Zeit.)
Mach dir hier keinen Stress: Das conditionnel passé baust du erst, wenn das passé composé und das conditionnel présent beide sicher sitzen – dann ist es nur noch eine Kombination aus zwei Dingen, die du schon kannst. Für den Alltag und den ersten höflichen Smalltalk brauchst du es noch nicht. Es ist die Kür, nicht die Pflicht.
Eine Sache zum Mitnehmen
Das conditionnel ist kein neuer Brocken, sondern ein cleverer Mix: futur-Stamm plus imparfait-Endung, fertig. Damit bittest du höflich (je voudrais, pourriez-vous), äußerst Wünsche (j'aimerais) und sprichst über Irreales im si-Satz (si + imparfait → conditionnel). Es ist die Form, die deine Sprache höflich und erwachsen klingen lässt. Welchen höflichen Satz würdest du als Erstes gern auf Französisch sagen können?
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich futur simple und conditionnel, wenn der Stamm gleich ist?
Am Stamm erkennst du es nicht – der ist identisch. Der Unterschied steckt komplett in der Endung: Das futur simple hat die Endungen -ai, -as, -a, -ons, -ez, -ont (je parlerai), das conditionnel die imparfait-Endungen -ais, -ais, -ait, -ions, -iez, -aient (je parlerais). In der je-Form ist es nur ein -s Unterschied (parlerai vs. parlerais), das man beim Sprechen kaum hört – im Schriftbild aber entscheidet es zwischen „ich werde“ und „ich würde“.
Welche Form steht im si-Satz – imparfait oder conditionnel?
Im irrealen Bedingungssatz steht nach si immer das imparfait, das conditionnel folgt im Hauptsatz: Si j'avais le temps, je voyagerais. Nach si steht in diesem Satztyp nie ein conditionnel – das ist der häufigste Fehler. Merke dir die feste Kopplung: si + imparfait → conditionnel.
Muss ich das conditionnel passé sofort lernen?
Nein. Für höfliche Bitten, Wünsche und si-Sätze in der Gegenwart reicht das conditionnel présent vollständig. Das conditionnel passé (j'aurais fait, je serais venu) kommt später dazu – es baut auf dem passé composé auf und drückt aus, was gewesen wäre. Erst das présent sicher, dann erweitern.
Quellen
- Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J. & Willingham, D. T. (2013): Improving Students' Learning With Effective Learning Techniques. Psychological Science in the Public Interest, 14(1), 4–58. doi.org/10.1177/1529100612453266