Die Zukunft im Englischen: will vs. going to

J Janine Kreiser, Gründerin ConjuExpert 27. Aug. 2026 12 min EN

Das Wichtigste in Kürze

Nimm going to, wenn der Plan oder die Absicht schon vor dem Sprechen feststeht — oder wenn du eine Vorhersage auf sichtbare Anzeichen stützt. Nimm will für spontane Entscheidungen im Moment des Sprechens, für reine Vorhersagen/Meinungen und für Versprechen. Für feste Verabredungen mit Zeit und Ort nutzt Englisch oft das present continuous (I'm meeting Tom at six).

Stell dir vor, das Telefon klingelt, du gehst ran und sagst reflexartig: „I'll call you back in five minutes.“ Eine Minute später schreibst du deiner Kollegin: „I'm going to call the client this afternoon“ — Termin steht seit gestern im Kalender. Zwei Mal Zukunft, zwei völlig verschiedene Bauformen, und kein deutscher Lehrsatz erklärt dir auf Anhieb, warum. Denn im Deutschen hast du dafür ein einziges Wörtchen: werde. „Ich rufe dich zurück“, „ich werde den Kunden anrufen“ — fertig. Englisch trennt hier feiner, und genau an dieser Trennung rutschen deutsche Lernende reihenweise aus. Die gute Nachricht: Es steckt ein klares System dahinter, kein Bauchgefühl. Wenn du den Unterschied einmal siehst, hörst du ihn danach in jedem Film. Lass uns die beiden Zukünfte nebeneinanderlegen und an echten Sätzen durchspielen, bis es klickt.

Erst die Bauteile: so bildest du beide Formen

Bevor wir über Bedeutung reden, sollten die Formen sitzen — sonst verwechselst du die Bedeutung mit einem Tippfehler. Beide Zukünfte sind erfreulich regelmäßig, da musst du nichts pauken. will ist ein Modalverb und bleibt in jeder Person gleich: will + Grundform des Verbs, ohne to, ohne -s in der dritten Person. Es heißt also she will go, niemals „she wills“ und niemals „she will goes“. In der gesprochenen Sprache zieht man will fast immer zu 'll zusammen — I'll, you'll, she'll, we'll — und die Verneinung ist will not, kurz won't. Das Wörtchen won't sieht aus wie ein Druckfehler, ist aber die völlig normale Kurzform. going to dagegen ist eine Konstruktion aus drei Teilen: die passende Form von be (am/is/are) + going to + Grundform. Hier musst du also be korrekt beugen, und genau das ist die Stelle, an der die meisten Fehler passieren. Schau dir beide Baupläne im Vergleich an und sprich die Beispielsätze einmal laut mit:

Personwill-Futuregoing-to-Future
II will go / I'll goI am going to go / I'm going to go
youyou will go / you'll goyou are going to go
he/she/itshe will go / she'll goshe is going to go
wewe will go / we'll gowe are going to go
theythey will go / they'll gothey are going to go

Die Verneinung folgt demselben Muster: bei will hängst du nur not an (I won't go, she won't go), bei going to verneinst du das be (I'm not going to go, she isn't going to go, they aren't going to go). Frageformen drehen das jeweils erste Wort nach vorn: Will you go? und Are you going to go?. Beachte das kleine, fiese Detail in der ersten Zeile der zweiten Spalte: Im gesprochenen Englisch klingt going to oft wie gonna — das hörst du in jedem Song, aber schreiben solltest du es in seriösen Texten nicht. Wenn du die be-Formen noch nicht im Schlaf abrufst, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Konjugation von be und auf die Formen von go — die beiden Verben stecken in fast jedem Zukunfts-Satz, den du je bilden wirst.

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going to: der Plan, der schon stand

Greif zu going to, wenn die Sache vor dem Moment des Sprechens schon entschieden war. Du erzählst von einer Absicht, einem Vorhaben, etwas, das du dir vorgenommen hast — der Entschluss ist älter als der Satz. Genau deshalb passt going to so oft zu Plänen, Vorsätzen und festen Vorhaben. Stell dir Marie vor, die abends nach der Arbeit Englisch lernt: Sie hat sich seit Wochen vorgenommen, im Sommer nach Schottland zu fahren. Wenn sie davon erzählt, sagt sie nicht „I will travel to Scotland“, sondern: der Plan steht ja längst. Das durchgespielte Beispiel:

– „Why are you saving money?“
– „Because I'm going to travel to Scotland this summer.“ (Plan steht seit Wochen)
– „We're going to rent a car and drive along the coast.“ (gemeinsamer, fester Plan)
– „She's going to learn a few Scots words before the trip.“ (Absicht, dritte Person)

Achte darauf, wie be sich mitbewegt: I'm, we're, she's — die Grundform des Verbs dahinter (travel, rent, drive, learn) bleibt immer gleich. Das ist die ganze Mechanik. Es gibt aber noch eine zweite, oft vergessene Verwendung von going to, und die ist richtig nützlich: die Vorhersage aufgrund sichtbarer Anzeichen. Wenn du im Jetzt einen Beleg vor Augen hast, der die Zukunft ankündigt, nimmst du going to. Du siehst die dicken, schwarzen Wolken und sagst: „It's going to rain.“ Du siehst jemanden auf der Treppe straucheln und rufst: „Careful — you're going to fall!“ Du schaust auf das leere Glas Milch im Kühlschrank: „We're going to run out of milk.“ Der gemeinsame Nenner: Es gibt hier und jetzt ein Zeichen, das logisch in die Zukunft zeigt. Das ist keine bloße Meinung, das ist eine begründete Prognose — und dafür ist going to gemacht.

🎯 Merke (Eselsbrücke „Schiene“): Stell dir going to wie einen Zug vor, der schon auf der Schiene steht. Die Richtung ist gelegt — entweder weil du sie gelegt hast (Plan) oder weil die Anzeichen sie zeigen (Wolken am Himmel). Der Zug rollt los, weil vorher etwas passiert ist.

will: die Entscheidung im Moment

will ist die Zukunft des Augenblicks. Du benutzt es, wenn du jetzt gerade, während du sprichst, etwas entscheidest — niemand hat das vorher geplant, es entsteht im Reden. Das Telefon klingelt, niemand geht ran, du springst auf: „I'll get it!“ Die Kellnerin steht am Tisch, du schaust kurz auf die Karte und entscheidest dich: „I'll have the salmon, please.“ Ein Freund erzählt von seinem Umzug am Wochenende, und du bietest spontan an: „I'll help you carry the boxes.“ In keinem dieser Fälle stand die Entscheidung vorher fest — sie wird im Sprechen geboren, und genau das signalisiert will. Würdest du hier going to sagen, klänge es seltsam, so als hättest du schon eine Stunde vorher geplant, ans Telefon zu gehen. Spiel die Formen einmal durch und achte auf das überall gleichbleibende will:

– „The phone's ringing.“ – „I'll answer it.“ (spontan)
– „It's cold in here.“ – „I'll close the window.“ (spontan)
– „He'll probably say yes.“ (Vorhersage / Meinung)
– „Don't worry, I won't forget your birthday.“ (Versprechen, verneint)

Neben der spontanen Entscheidung trägt will zwei weitere Bedeutungen, die du oft brauchst. Erstens die reine Vorhersage oder Meinung über die Zukunft — besonders nach Ausdrücken wie I think, I'm sure, probably, maybe. „I think it will be a great year.“ Hier hast du keinen sichtbaren Beleg wie bei den Wolken, sondern eine Einschätzung, ein Gefühl, eine Erwartung — und dafür nimmt Englisch will. Zweitens das Versprechen und das spontane Anbieten: „I will always love you“, „I won't tell anyone“, „I'll call you when I land“. Wenn du jemandem ein Wort gibst, ist will das richtige Werkzeug — going to würde sich hier kühl und planerisch anfühlen, nicht wie ein Versprechen von Herzen. Du merkst: Die drei will-Verwendungen — spontane Entscheidung, Vorhersage/Meinung, Versprechen — haben alle eins gemeinsam: Sie entstehen im Kopf des Sprechers in diesem Moment, nicht aus einem vorher gefassten Plan.

🔮 Merke (Eselsbrücke „Glühbirne“): will ist der Geistesblitz. Über deinem Kopf geht jetzt gerade die Glühbirne an — du entscheidest, du versprichst, du vermutest, alles spontan. Kein Zug auf der Schiene, sondern ein Funke im Moment.

Die Mischfälle: wenn beide möglich scheinen

Die Theorie ist klar — und dann kommt das echte Leben, in dem sich die beiden Zukünfte im selben Gespräch abwechseln. Genau hier wird der Unterschied am greifbarsten, deshalb lohnt ein durchgespielter Mini-Dialog. Stell dir zwei Freunde vor, die über das Wochenende reden, und beobachte, wie der Wechsel funktioniert:

– „What are you going to do on Saturday?“ (fragt nach dem Plan — der steht vermutlich schon)
– „I'm going to paint the kitchen. I've wanted to do it for ages.“ (fester Plan)
– „Sounds like hard work.“ – „Yeah… you know what, I'll ask Tom to help me.“ (spontane Entscheidung, gerade eben gefasst)
– „Good idea. I'm sure he'll say yes.“ (Vorhersage / Meinung)

Schau dir den dritten Satz an: Der Plan war, die Küche zu streichen — going to. Aber Tom um Hilfe zu bitten, das fällt der Person erst im Gespräch ein — will. Derselbe Mensch, dasselbe Thema, zwei Zukünfte in drei Sätzen. Das ist kein Widerspruch, sondern die Logik in Reinform: vorher entschieden → going to, jetzt entschieden → will. Es gibt einen weiteren, sehr häufigen Fall, den du unbedingt kennen solltest, auch wenn er streng genommen gar keine der beiden „Zukünfte“ ist: feste Verabredungen mit Zeit und Ort drückt Englisch oft im present continuous aus, also der -ing-Form von be + Verb. „I'm meeting Tom at six.“ „We're flying to London on Friday.“ „She's having dinner with her parents tonight.“ Warum nicht going to? Du könntest auch going to sagen, und es wäre nicht falsch — aber wenn der Termin fix vereinbart ist (Uhrzeit, Ort, andere Person eingeplant), klingt das present continuous natürlicher und ist im Alltag die häufigere Wahl. Merk dir die Faustregel: Kalender-Eintrag mit Uhrzeit → present continuous. Dieser Dreiklang — will / going to / present continuous — deckt fast jede Alltagssituation ab, in der du über Zukünftiges redest.

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Die Fehler, die dich verraten — und wie du sie abstellst

Wenn du englische Muttersprachler zusammenzucken lässt, liegt es fast immer an einer Handvoll typischer Stolperstellen. Die gute Nachricht: Es sind immer dieselben, du kannst sie gezielt abstellen. Der häufigste deutsche Fehler ist die spontane Entscheidung mit going to. Du wirst gefragt „Tea or coffee?“ und antwortest „I'm going to have tea“ — grammatisch baubar, aber es klingt, als hättest du dir das vor einer Stunde überlegt. In dem Moment der freien Wahl gehört da will hin: „I'll have tea, please.“ Der zweite Klassiker betrifft die Vorhersage mit sichtbarem Beleg: Du siehst die schwarzen Wolken und sagst „It will rain“ — verständlich, aber Muttersprachler nehmen hier going to, weil der Beleg vor ihnen liegt: „It's going to rain.“ Der dritte Fehler ist rein formal und tückisch, weil er so klein ist: das vergessene oder falsche be bei going to. Es heißt nicht „I going to call“ und nicht „he going to call“, sondern „I'm going to call“, „he's going to call“. Ohne das be ist der Satz schlicht kaputt. Und der vierte: das fehlerhafte -s in der dritten Person bei will. will ist ein Modalverb und bekommt nie ein -s — „she wills call“ und „she will calls“ sind beide falsch, richtig ist schlicht „she will call“. Hier die Übersicht zum Einprägen:

⚠️ Die vier Verräter:
❌ „I'm going to have tea“ (bei spontaner Wahl) → ✅ „I'll have tea“
❌ „It will rain“ (bei sichtbaren Wolken) → ✅ „It's going to rain“
❌ „He going to call“ (be fehlt) → ✅ „He's going to call“
❌ „She wills call / she will calls“ → ✅ „She will call“

Diese vier abzustellen bringt dich weiter als jede Regel-Liste, denn genau an ihnen erkennt das Ohr den Nicht-Muttersprachler. Und der schnellste Weg, sie loszuwerden, ist nicht Wiederlesen, sondern aktives Abrufen: Sätze selbst bilden, Fehler machen, sofort korrigieren. Die Lernforschung ist hier eindeutig — aktives Testen und über die Zeit verteiltes Üben sind die wirksamsten Methoden, während bloßes Markieren und Wiederlesen kaum etwas bringt (Dunlosky et al., 2013). Genau dafür ist ein Quiz da: nicht zum Nachschlagen, sondern zum Hängenbleiben.

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Takeaway

Wenn du dir aus diesem Artikel eine Sache mitnimmst, dann diese Frage: War die Entscheidung schon da, oder fällt sie gerade jetzt? Stand der Plan vorher oder zeigen sichtbare Anzeichen in die Zukunft — going to. Entscheidest, versprichst oder vermutest du im Moment des Sprechens — will. Und wenn ein fester Termin mit Uhrzeit im Kalender steht, denk an das present continuous. Mehr Bauchgefühl brauchst du nicht; du brauchst Wiederholung, bis die Frage automatisch mitläuft. Wann hast du das letzte Mal will gesagt, wo eigentlich going to hingehört hätte — oder umgekehrt? Achte heute einmal bewusst darauf, und du wirst überrascht sein, wie oft die Zukunft im Englischen ihre Form wechselt.

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Für den größeren Zusammenhang lohnt der Blick nach oben: Wie englische Verben überhaupt ihre Zeiten bilden, zeigt der Überblick englische Verben konjugieren, und das große Ganze über alle Sprachen hinweg findest du unter Verben konjugieren lernen. Direkt nebenan warten zwei Geschwister-Themen, die genau dieselbe „welche-Zeit-wann“-Logik haben: Present Perfect vs. Simple Past und die englischen Conditionals, in denen will übrigens wieder eine Hauptrolle spielt.

+++ FAQ — will vs. going to

Kann ich will und going to manchmal austauschen?

Manchmal ja — gerade bei allgemeinen Vorhersagen funktionieren beide („I think it will/it's going to be cold“). Bei spontanen Entscheidungen (immer will) und bei sichtbaren Anzeichen (immer going to) ist die Wahl dagegen festgelegt. Im Zweifel die Leitfrage stellen: vorher entschieden oder gerade jetzt?

Was ist mit „shall“?

shall ist die alte erste-Person-Zukunft („I shall go“) und heute fast nur noch in Vorschlägen und Fragen lebendig: „Shall we go?“, „Shall I help you?“. Für die normale Zukunft brauchst du es nicht — will und going to decken alles ab.

Ist „gonna“ falsch?

Nicht falsch, aber umgangssprachlich. gonna ist die gesprochene Verschleifung von going to — perfekt für Songs, Chats und lockere Gespräche, aber in E-Mails, Prüfungen oder seriösen Texten schreibst du going to aus.

+++

Quellen

  1. Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J. & Willingham, D. T. (2013): Improving Students' Learning With Effective Learning Techniques. Psychological Science in the Public Interest, 14(1), 4–58. doi.org/10.1177/1529100612453266
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Janine Kreiser

Gründerin von ConjuExpert. Macht Sprachgrammatik sichtbar – mit Mustern statt Chaos.